Was bewegte uns zur Entwicklung eines Qualitätsstandards für die Lagenklassifikation?

Seit der Einführung des DAC-Systems in der Steiermark wird zwischen Gebiets-, Orts- und Riedenweinen unterschieden. Aber Riedenwein ist nicht gleich Riedenwein. Unsere langjährige Erfahrung zeigte, dass die Beschaffenheit der Lagen und das Handwerk des Winzers zu einer weiteren Differenzierung der Riedenweine führen muss.

Außerdem unterliegen wir Winzer einer Vielzahl an Berichtspflichten und haben dadurch eine sehr gute Datenlage. Wir haben uns mit diesem privatrechtlichen Qualitätsstandard die Aufgabe gesetzt, erstmalig in Österreich anhand von bereits bestehenden behördlichen Fakten (Feldstücklisten, EAMA, Prüfnummernbescheide, Landesweinbaukataster, GIS Atlas des Landes Steiermark, Rechnungen) und Wahrnehmungen in der Öffentlichkeit (Fachartikel oder Weinbewertungsplattformen) ein extern auditierbares Punktesystem für eine Klassifikation zu entwickeln. Unser externer Partner ist die renommierte Lacon GMBH, die uns auch bei der Erstellung dieses Standards unterstützt hat. Dazu war es unerlässlich, ein Punktesystem für die Klassifizierung zu erarbeiten.

Vorbild für die Klassifizierung sind Burgund – bezogen auf die Lage – und Bordeaux – bezogen auf das Weingut. Auch haben wir uns an den Klassifizierungen der VDP in Deutschland orientiert. Darum übernehmen wir sinngemäß die Bezeichnung „Premier Cru“ für „Erste Lage“ und „Große Lage“ für „Grand Cru“.

Selbstverständlich unterliegen die zertifizierten Lagenweine einer strengen Mengenbegrenzung, die durch die Vergabe von Gütesiegel – so genannte Proof Tags – ausschließlich von der Lacon GmbH geregelt wird.

Wie wird die Klassifizierung in das Steiermark DAC-Gefüge eingepasst?

Mehr dazu erfahren Sie hier.

Wie definieren wir „Erste Lage“?

„Eine Erste Lage ist eine erstklassige Riede mit eigenständigem Charakter und idealen Voraussetzungen in Bezug auf Alter der Rebstöcke, Lage (Ausrichtung, relative und absolute Höhe) und Mesoklima , die in Verbindung mit dem Winzer stets außergewöhnliche Weine hervorbringt.“

Wie erfolgt die Klassifikation im Qualitätsstandard?

Die externe Evaluierung der Klassifikation machte es unumgänglich, ein transparentes Punktesystem zu entwickeln. Punktesysteme sind uns in der Weinbewertung vertraut – hier gibt es das 20 Punkte-Schema oder das 100 Punkte Schema. Nachdem wir die Riede in Verbindung mit dem Weingut bewerten, haben wir uns für das 100 Punktesystem entschieden. Die Beschaffenheit der Riede wird mit 40% gewichtet, die Erfahrung des Winzers mit 60%.

Punkte werden vergeben für:

Weingarten:

  • Geografische Lage
  • Ausrichtung
  • Steilheit
  • Bodenbeschaffenheit
  • Reben:
    • Rebsorte
    • Alter der Stöcke
    • Klonenselektion

Erfahrung des Winzers

  • Arbeit im Weingarten
  • Transparenz der Produktionsmethoden des Lagenweines im Keller
  • Marktbedeutung des Weinguts
  • Bekanntheit des Lagenweines
  • Veranstaltung von – bzw. Mitwirkung an – Aktivitäten zur Festigung der Reputation der Lagenweine

Die Bewertung dieses Standards erfolgt durch eine externe Kontrollstelle anhand eines Fragebogens, der auch zur Selbsteinschätzung und zur Vorbereitung auf das Audit herangezogen werden kann.

Wie viele Gesamtpunkte sind notwendig, um eine zertifizierte Erste Lage auf den Markt bringen zu können?

Bei 75 bis 89 Gesamtpunkten wird das Zertifikat „Erste Lage“ gemeinsam mit der zertifizierten maximalen Produktionsmenge verliehen.

Was versteht man unter der maximalen Produktionsmenge für eine Erste Lage?

Die Produktionsmenge beträgt für eine Erste Lage 6.500 kg/Hektar bzw. 4.875 Liter/Hektar.

Welche Rebsorten sind für eine Erste Lage erlaubt?

Eine klassifizierte Erste Lage muss aus einer der folgenden Rebsorten oder einer Cuvée daraus bestehen:

  • Chardonnay
  • Weißburgunder
  • Grauburgunder
  • Sauvignon Blanc
  • Traminer
  • Riesling
  • Gelber Muskateller
  • Welschriesling

Gibt es eine Vorgabe bezüglich der Zuckergradation?

Der Gehalt an unvergorenem Zucker hat höchstens 4 g/l zu betragen, sowie für Weine der Rebsorte Riesling, Gelber Muskateller und Traminer der Bezeichnung „trocken“ zu entsprechen.

Welche Voraussetzungen müssen unbedingt erfüllt werden?

Wir verpflichten uns zur Zertifizierung „Nachhaltigkeit Austria“ und verzichten in unseren Weingärten auf Herbizide und Insektizide. Unsere Produktionsmethoden im Keller sind naturnah, wir verzichten auf Chaptalisierung und den Einsatz modernster Kellertechniken wie Chips und Umkehrosmose.

Welche Weingüter dürfen welchen klassifizierten Lagenwein auf den Markt bringen?

Weingut Frühwirth

– Chardonnay Ried Klöcher Rosenberg Erste Lage

– Sauvignon Blanc Ried Kratzer Erste Lage

Weinhof Gollenz

– Grauburgunder Ried Klöchberg Erste Lage

Weingut Hutter – Feldbach

– Chardonnay Ried Reiting Bergen Erste Lage

– Chardonnay Alte Reben Ried Reiting Bergen Erste Lage

– Grauburgunder Ried Reiting Bergen Erste Lage

– Sauvignon Blanc Ried Reiting Bergen Erste Lage

– Weißburgunder Ried Reiting Bergen Erste Lage

Weingut Krispel – Straden

– Sauvignon Blanc Ried Neusetzberg Erste Lage

– Weißburgunder Ried Neusetzberg Erste Lage

– Grauburgunder Ried Neusetzberg Erste Lage

– Chardonnay Ried Kaargebirge Erste Lage

– Weißburgunder Ried Kaargebirge Erste Lage

Weingut Müller – Klöch

– Chardonnay Ried Seindl Erste Lage

– Sauvignon Blanc Ried Seindl Erste Lage

Weingut Scharl – St. Anna am Aigen

– Chardonnay Ried Annaberg Erste Lage

– Muskateller Ried Annaberg Erste Lage

– Weißburgunder Ried Annaberg Erste Lage

Weinhof Ulrich – St. Anna am Aigen

– Chardonnay Ried Tamberg Erste Lage

– Sauvignon Blanc Ried Hochstraden Erste Lage

Frühwirth

Gollenz

Hutter

Krispel

Pfeifer

8354 St. Anna am Aigen
+43 (0) 664 5111265

pfeifer-weingut.at

Scharl

8354 St. Anna am Aigen
+43 (0) 3258 2314

weinhof-scharl.at

Thaller

8263 Großwilfersdorf
+43 (0) 3387 29240

weingut-thaller.at

Ulrich

Kultur der Reibung